Der Autor: Michael Pliwischkies ist in Sachen Marketing unterwegs. Er war als Art Director für die Jugendmesse YOU und den Karstadt RuhrMarathon tätig. Daneben zählten diverse Techno-DJs und andere Künstler zu seinen Klienten.

Wir leben im Überfluss und wo dieser besteht, ist es gar nicht so einfach, Interessenten zu finden. Das gilt für Autos, Mode, Küchenmaschinen und auch für Musik. Ob einem das nun gefällt oder nicht. Nun ist nicht davon auszugehen, dass die Masse derer, die Musik produzieren, über umfassende Budgets verfügt, um die Crowd zu erreichen. Wie also vorgehen? Hier einige Tipps zum Thema Marketing.

Irgendwie charmant und finanzierbar

Es muss nicht immer das »große Besteck« sein. Natürlich spricht nichts dagegen, eine Agentur zu beauftragen oder diese vom – so bereits vorhanden – Management beauftragen zu lassen, sofern das nicht sowieso schon geschah. Wer noch nicht in dieser vorteilhaften Lage ist, kann jedoch auch selbst aktiv werden und kein Adressat wird es übel nehmen, wenn es noch verbesserungswürdige Komponenten gibt. Manchmal wirken kleine »Fehler« auch ganz charmant, was ein Vorteil sein kann. Im Fall der Fälle wird sich auch immer ein Werbemensch finden, der – auch kostenfrei – auf die gröbsten Fehler aufmerksam macht, die sich dann verhindern lassen. Das Logo ist hier der häufigste »Patient«.

Was geht also?

Aufmerksamkeit erreichen geht immer. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, offensiv zu sein. Zugegeben fällt das nicht immer leicht, ist aber unerlässlich. Das wichtigste Werbemittel bist also DU! Wer Öffentlichkeit möchte, muss in ihr präsent und ansprechbar sein. Also gilt es, sich in der Szene, der man sich zugehörig fühlt und die einen als Künstler_in wahrnehmen soll, positiv aufzufallen. Das funktioniert über die Präsenz auf Veranstaltungen und Partys. Auch die Präsenz in sozialen Netzen und Foren spielt hier eine Rolle, steht aber in der Wertigkeit hinter echten Kontakten zurück.

Sticker, Stempel und anderer Quatsch

Zu den typischen Werbemitteln des »Undergrounds« zählen Aufkleber, Stempelorgien und weiteres Billigzeug. Das ist nicht schlimm – ganz im Gegenteil. Der »Stallgeruch des Unvollkommenen« und die damit einhergehende Art der Verbreitung wird positiv wahrgenommen. Was wäre denn die versiffte Toilette eines Clubs ohne die gefühlt zwei Millionen meist selbst angefertigten Aufkleber? Eben! Wer starrt beim Pinkeln schon gern auf eine blanke, weiße Kachelwand. Da sind Aufkleber allemal interessanter und zuweilen prägen sie sich auch ein. Weiterer Vorteil: Sie kosten fast nichts. Einen ganzen Schwung gibt es meist zwischen 30 und 60 Euro bei einer beliebigen Online-Druckerei. Auf ihnen lässt sich so ziemlich jede Info unter das Volk bringen – und wenn es nur der eigene Name samt URL ist.

Gleiches gilt für Stempel, die für ein paar Euro zu haben sind. Im Vorübergehen kann man so überall ein Zeichen hinterlassen – je nach Grad der Alkoholisierung auch auf der Stirn des Gegenübers, sofern er oder sie Spaß versteht. Aber ernsthaft: »Hey, damit Du nicht vergisst, zu kommen.« den Stempel auf den Unterarm drücken, geht schneller, als eine Telefonnummer zu schreiben und ist auch amüsanter.

Bastelst Du gern Papierblumen oder Flugzeuge? Dann mach' das, hinterlasse eine Nachricht darauf und verteil' das. Die Mehrheit wird es lustig, irre oder auch süß finden – Ziel erreicht für fast 0 Euro.

Sei einfach mal freundlich

Ja, Du bist schon eine »coole Sau«. Das glauben wir. Es hilft aber nur bedingt und in engen Grenzen weiter. Da unsere Welt schon »cool« genug ist, kommt es gut an, einfach mal »Danke« zu sagen, also ganz normale Höflichkeit zu leben. Es schafft eine Menge Sympathie, wenn man auf Menschen zugeht und ihnen gegenüber aufmerksam ist und ihnen mit Respekt begegnet. Menschen nehmen andere Menschen dann mit einem guten Gefühl an, wenn man freundlich und offen mit ihnen umgeht. Die so geschaffene Verbundenheit ist weniger austauschbar, ist persönlicher als blanke »Bewunderung«, denn Bewundernswerte gibt es viele.

Fragen kostet nichts, ist aber viel wert

Lerne, Menschen zu fragen, sie um etwas zu bitten. Nein, es geht nicht um »Schnorrerei«. Es geht um Integration, um Anteilnahme. Ziel ist es, Menschen für Dein Ding zu interessieren und sollte sich ein Interesse ergeben, verstärkt sich dieses, wenn der Gefragte eine Kleinigkeit dafür getan hat.

Zu bitten ist etwas, was Dich immer begleiten wird. Ob Du Dich anbietest, als Musiker einen Artikel für die örtliche Zeitung oder das Szene-Magazin zu schreiben oder ob Du um einen Slot auf der Bühne nachfragst, sofern Du keinen Booker hast. Du wirst bitten müssen. Also gewöhne Dich daran und sieh es als etwas Positives. Am Ende – stimmt das Maß der Dinge – wirst Du als der kooperative und hilfsbereite Mensch gelten, den man gerne mitnimmt, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Verschenk' mal was

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Das ist nicht nur im Privaten so. Wenn Du pro Monat x Tracks baust (Davon gehen wir einfach mal aus, da Du ernsthaft Musik machen willst.), kannst Du ab und an einen davon der Crowd stiften. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Form das geschieht. Plattformen wie Soundcloud oder Beatport bieten hier Möglichkeiten. Auch lassen sich immer noch – man mag es kaum glauben – CDs verteilen. Promo ist nie falsch.

Überfordere Dich niemals

Marketing ist anstrengend und man wird es Dir anmerken, wenn die Anstrengung der Sache den Spaß nimmt. Soweit sollte es nicht kommen. Es gilt also, sich selbst nicht zu überfordern und sich früh genug zurück zu nehmen. Ein überforderter und somit nerviger Mensch erhält bestenfalls Mitleid, selten Sympathie. Sollte es zu diesem Moment kommen, gibt Aufgaben ab – auch dann, wenn sie eine Kleinigkeit kosten – oder mach' einfach mal Pause. Man wird Dir diese nicht übel nehmen. Wenn Du vorher alles richtig gemacht hast, ist das Feedback umso besser, wenn Du nach einer Ruhephase wieder am Start bist. Zudem hast Du während dieser Zeit die Möglichkeit, die Wirksamkeit (Nachhaltigkeit) Deiner bisherigen Aktionen zu überprüfen.