Es ist gegen 1:00, also Zeit für den Club. Die Witterungsverhältnisse sind halbschön und das Gesamtbehagen pharmazeutisch anidealisiert. Im Grunde spricht nichts gegen eine gelungene Nacht – wären da nicht ein paar Punkte, die immer wieder dagegen sprechen und einen gewissen Nervfaktor mit sich bringen. So oder so ähnlich beginnt für nicht wenige Raver der Schrecken der Nacht und hier würde es einigen Clubs gut stehen, ein wenig zu korrigieren. Das übrigens auch aus wirtschaftlichen Erwägungen. Was für eine Weile »Style« ist, kann nämlich schon morgen als Mist empfunden werden. Das Nightlife braucht ein Update.

Die Tür

Ein altbekanntes Reizthema ist die Türpolitik. Gerade berliner Clubs haben sich hier in der Vergangenheit als besonders selbstverliebt herausgestellt. Das gilt insbesondere für das Berghain und auch den Tresor samt Junior Ohm. Da kann es schon einmal vorkommen, dass gänzlich unverdächtige Gäste keinen Zutritt erhalten und der DJ, in dessen Schlepptau sie aufliefen, ein gutes Wort einlegen muss. Dabei ist es die Aufgabe der Tür, zwar auf eine gewisse »Sozialauswahl« zu achten, nicht aber, eigene napoleonische Allmachtsphantasien auszuleben. Ärgerlich ist das insbesondere dann, wenn die Ablehnung nach einer knappen Stunde (künstlicher) Wartezeit erfolgt. Ein Appell an die Betreiber: So wichtig ist kein Club. Auch Freundlichkeit an der Tür ist kein NoGo. Besucher sind kein zahlendes Vieh – sie sind die Menschen, die den Club am Leben halten.

Krach reicht nicht

Klar – »der Bass muss ficken«. Dafür benötigt eine Anlage eine gewisse Durchschlagskraft. Lobend zu erwähnen sind hier Clubs wie das Berghain, das kleine AVA, der Tresor natürlich, der seine Besucher mit einer Void erfreut und viele andere Spielstätten elektronischer Klänge. Vergessen wollen wir an dieser Stelle auch die Magdalena nicht, die in diesem Punkt ganz weit vorne lag. Aber: Es gibt auch die Betreiber, die hier scheitern. Angefangen bei einem ekelhaft klingenden Monitor bis hin zu abgerockten Antrieben in der Schallwand. Gerade aktuelle Produktionen verlangen aber eine akustische Übertragungstechnik in den Kopf und den Bauch, die das auch leisten kann. Das scheinen einige Betreiber leider immer noch nicht begriffen zu haben.

Menschliches

Wer muss, der muss. Wenn sich Stoffwechsler über viele Stunden an einem Ort aufhalten, ist der Gang auf die Toilette unvermeidbar. Der Körper verlangt danach. Nun ist es nicht sonderlich cool, wenn man dafür Gummistiefel, Handschuhe und zwei Liter Sterilium benötigt – in manchen Fällen  auch eine Taschenlampe, weil das Licht nicht funktioniert. Ja, auch »Verklatschte« haben ein Recht auf ein Mindestmaß an Hygiene und kein Betreiber bricht sich einen Zacken aus der Krone, wenn dem entsprochen wird. Ein positives Beispiel, wie es gehen kann, findet sich in Berlin im M-BIA.

Der Preis ist heiß

»Den Eintritt nennen wir im Vorfeld nicht. Das schreckt nur ab. Wenn die Leute erst einmal vor der Tür stehen, kommen sie auch rein.« Derartige Argumente sind nicht selten. Wie passt das zum permanent zur Schau getragenen Selbstvertrauen und der Schnoddrigkeit, mit der in vielen Clubs agiert wird? Es ist fast schon peinlich, wie wenig Zutrauen man offenbar in die eigene Attraktivität hat. Bzw.: So setzt man übrigens auch keine angemessenen Preise durch.

Ach ja ...

Es gäbe noch Vieles, was zu bemängeln wäre. Nicht, weil das so unglaublich viel Freude bereitet. Es ist vielmehr so, dass es Ziel sein sollte, die Clublandschaft zu verbessern und wieder etwas mehr an die zu denken, die die Nächte lebendig machen und das sind eben die Gäste.