Waldorf Rocket

Synthesizer wie der Waldorf Rocket, die über relativ feintriebige Potentiometer verfügen, bei denen bereits eine kleine Veränderung eine große Wirkung haben kann, sind über grafische Bedienelemente auf Smartphones oder Tablets kaum sinnvoll zu steuern. Erst recht dann nicht, wenn Manipulationen während Lifesets schnell vorgenommen werden müssen.

Eine Seuche schlägt immer unerbittlicher zu – das iPhone (Alternativ auch Android-Geräte in Form von Smartphones und Tablets.). Bislang Teil eines jeden ernsthaften Geräte-Tests: Die Art und Verbauung von Fadern und Potentiometern; aus gutem Grund, bilden diese doch die möglichst hochauflösende und haptisch formvollendete Benutzerschnittstelle. Diese ist auf dem Rückzug. Die Rumwische- und grabbelei auf dem Display erreicht auch die Musikproduktion.

Wer in der grafischen Industrie unterwegs ist, kennt die Versuche, direkt auf dem Bildschirm zu arbeiten. Entsprechende Grafiktablets existieren seit Jahren und gelten immer noch nicht als final ausgereift. Entweder sind sie zu teuer (Um die 2000 EUR dürfen es meist so sein.), zu schwer oder sie bieten nicht die Auflösung, die man für detailliertes Arbeiten benötigt. Und nun sollen es die kleinen Displays marktüblicher Smartphones und Tablets richten, in der Welt der Musik die bisherigen Bedienelemente ersetzen.

Wirtschaftlich nachvollziehbar – für den Hersteller

Klar – eine iOS-Applikation mit ein paar GUI-Elementen ist billiger als ein Haufen Hardware und natürlich extrem praktisch, weil man die Kosten des Bedienteils so einfach auf den Endkunden übertragen kann. Dieser ist fortan für das Display und seine Beschaffung verantwortlich. Bislang werden so selbst vollständig analoge Geräte »zwangsdigitalisiert«. Für den Hersteller ist das ein gutes Geschäft, dessen Folgen er selbst nicht tragen muss. Besonder prekär wird es dann, wenn so ein Auschluss, bzw. der Zwang resultiert, sich für iOS oder Android oder ggf. beide Plattformen entscheiden zu müssen. Gestaltet sich ein Setup komplexer – was dann? 10 Smartphones, um damit ein paar Boxen ansteuern zu können?

Wir wollen nicht »nur« nörgeln

Ein klarer Vorteil ist die Flexibilität, weitere Features anzubieten, die vorher nicht möglich (vielleicht auch nicht nötig) gewesen wären. Nur kann man sie eben nicht anfassen und händisch drehen. Sie stehen nur für Gesten auf einer in kürze schmierigen Glasoberfläche zur Verfügung. Das diese Oberfläche allein aufgrund ihrer Abmessungen nicht die »Auflösung« eines handelsüblichen Faders und/oder Potentiometers bieten kann, liegt in der (technischen) Natur der Sache. Alles Mist also? Hier ein klares Nein. Optional kann eine derartige Steuerung durchaus Vorteile bieten, um für ein Feintuning oder Grundeinstellungen keinen Rechner mehr nutzen zu müssen. Der Basisbedienung – und das speziell auf der Bühne – tut man hier keinen Gefallen. Daran ändern auch stylishe Blinki-Oberflächen nichts.

Marktdurchdringung

Bislang existieren nur wenige dieser alternativen Steuerungen. Angesichts der Fokussierung mancher Hersteller auf iOS-Apps für iOS-Musiker ist aber damit zu rechnen, dass sich das ändern wird. Wir werden es vermutlich erleben. Gadget (KORG) (https://www.korg.com/de/products/software/korg_gadget/)und andere Softwares sind vermutlich nur ein erster Schritt in die verhängnisvolle Welt der reduzierten Wischfinger-Produktionen.

Links:

iOS-Mixer von Mackie: https://mackie.com/products/dl1608-dl806